17.11.2015, Dienstag – Terror in Paris (Kur 9)

♦ VIERUNDDREIßIG WOCHEN NACH DER KATASTROPHE ♦
Am vergangenen Freitag würdigte Deutschland sieben französische Helfer für ihren Einsatz nach der Germanwings-Katastrophe mit dem Bundesverdienstkreuz. Sie leisteten Übermenschliches bei der Bergung der Opfer, aber ebenso bei der Betreuung von uns Angehörigen. Unter den Geehrten befinden sich die Bürgermeister der Gemeinden Le Vernet (Ort der Stele und des Grabes der nichtidentifizierbaren menschlichen Überreste) und Prads-Haute-Bléone (auf dessen Gebiet sich das Drama ereignete). Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier überreichte die Orden in der deutschen Botschaft von Paris.
Ich freue mich mit ihnen, sie haben es unbedingt verdient. Wir haben sie in Le Vernet persönlich kennengelernt, sie spendeten Trost, umarmten uns und trockneten im wahrsten Sinne des Wortes meine Tränen. Ich werde ihre Herzlichkeit und die der Dorfbewohner nie vergessen und bin dafür dankbar. Der Flugzeugabsturz hat auch in ihren Herzen Spuren hinterlassen.
Der Außenminister hielt seine Ansprache auf Französisch. Er schloss mit dem Satz: »Vor allem haben Sie uns durch ihre Warmherzigkeit, Ihr Mitgefühl und Ihre Brüderlichkeit berührt.«
Als Dank für ihren Einsatz waren sie und weitere 1000 freiwillige Helfer am Abend zum Freundschaftsspiel der deutschen gegen die französische Fußball-Nationalmannschaft ins Stade de France eingeladen. Was dann folgte, war unfassbar. Unmittelbar neben dem Stadion detonierten zwei Sprengsätze.
Es war der Tag des Terrors in Paris, bei dem durch mehrere Explosionen und Schießereien 130 Menschen getötet und etwa 350 verletzt wurden. Dazu bekannte sich die Terrororganisation »Islamischer Staat«.
Frankreich hat den Ausnahmezustand und eine dreitägige Staatstrauer ausgerufen.
Vor acht Monaten stürzte der Airbus in den südfranzösischen Alpen ab. Gelenkt wurde er von einem Wesen, das, nach vorheriger Planung, die ihm anvertrauten Passagiere sowie die Kollegen mit sich in den Tod riss. Ihre Leben waren ihm gleichgültig, er hat sie schlichtweg bei vollem Bewusstsein ignoriert.
Kaum haben die französischen Helfer ihre Auszeichnung erhalten, müssen sie sich erneut mit einer ähnlich gelagerten Brutalität auseinandersetzen, die ebenso wahllos, jedoch absichtlich, Menschenleben auslöschte.
Ihnen und den anderen Besuchern des Stadions ist glücklicherweise nichts passiert.
Der 13.11.2015 hat der Welt ein weiteres Mal vor Augen geführt, wie verwundbar unser Dasein ist. Jeder x-beliebige kann zur falschen Zeit am falschen Ort sein, egal ob er ein Flugzeug, einen Bus oder Zug benutzt, ob er eine Sportveranstaltung, ein Konzert besucht oder einfach nur durch die Straßen bummelt.
Die Achtung vor dem Leben schrumpft in meiner Wahrnehmung zunehmend. Das macht Angst, denn auch Jens wurde ermordet.
Die unschuldigen Opfer der Anschläge gehen mir nicht aus den Kopf. Sie wollten sich amüsieren und fanden einen grausamen Tod. Sie hinterlassen verzweifelte Kinder, Eltern, Geschwister, Lebenspartner, Freunde … , deren Existenz blitzartig aus der gewohnten Bahn geworfen worden ist und wahrscheinlich nie wieder zu dieser zurückfinden wird.
Ich bin sprachlos angesichts der brutalen Gewalt und trauere mit den Hinterbliebenen um ihre toten Lieben.
© Brigitte Voß

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