19.09.2015, Sonnabend – Psychopharmaka

In letzter Zeit beschäftigen sich die Medien mit dem Gesundheitszustand von Lubitz. Ich bin entsetzt zu erfahren, dass er gleichzeitig vier Medikamente, wie Citalopram, Lorazepam, Mirta Tad und Escitalopram, das sind Antidepressiva und Beruhigungsmittel, zu sich genommen hat. Würde ich einen derartigen Medikamentencocktail zu mir nehmen, wüsste ich nicht mehr, was oben und unten ist. Und solch eine mit Drogen verseuchte Gefahr für die Allgemeinheit durfte den Steuerknüppel von Passagierflugzeugen bedienen? Außerdem klagte er über erhebliche Sehstörungen. Keiner der sechzehn Ärzte, die er in den drei Monaten vor seiner teuflischen Tat aufsuchte, hatte irgendeinen Einwand vorgebracht, um dies zu verhindern. So, wie die Gesetzeslage derzeit ist, wird die ärztliche Schweigepflicht strenger gehandhabt, als die Sicherheit der Passagiere und die der Crew.
Leider muss ich davon ausgehen, dass der flugmedizinische Dienst der Lufthansa den psychischen Zustand der Piloten zu nachlässig untersucht, sonst wäre es nicht soweit gekommen. Und das, obwohl es bereits ähnliche Beispiele über Selbstmordpiloten gibt, die die ihnen anvertrauten Insassen mit sich in den Tod stürzten:

Absichtlich herbeigeführte Abstürze

Laut Medien existiert ein Tauglichkeitsnachweis über Lubitz, worin ein Vermerk zu finden ist, der auf eine schwerwiegende Depression mit Selbstmordgefahr hinweist, wegen der er die Pilotenausbildung 2008/2009 unterbrechen musste. Wurde er beachtet?
Ich
empfinde es unbefriedigend, dass niemand die Verantwortung übernimmt,  und hoffe nur, dass die Zukunft zur Aufklärung beiträgt. Es wäre gut für unsere Köpfe, für die Verarbeitung der Katastrophe, aber auch zur Bewältigung der Trauer.
Ich erwarte, dass die Behörden daraus lernen und Gesetze/Verordnungen ändern, damit die Schwachstellen, die bisher zutage getreten sind, ausgelöscht werden.
© Brigitte Voß

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2 Gedanken zu “19.09.2015, Sonnabend – Psychopharmaka”

  1. Ich bin mir sehr sicher das der zuständige Verkehrsarzt hier mächtig versagt hat,weil es am System der Weiterleitung liegt.
    Ich schreibe jetzt ihnen meine,wenn auch für mich schmerzliche Geschichte.
    Zur Tauglichkeitsprüfung für Omnibusfahrer ( alle fünf Jahre ) am 25.04.2014 stellte sich eine Gesichtsfeld Einschränkung raus ,wobei ich natürlich keine Verlängerung zum Omnibusschein bekam.
    Die Verkehrs Ärztin hat weder die zuständige Zulassungsverfahren/Führerscheinstelle noch meinen Arbeitgeber informiert.Ich habe meinen Arbeitgeber selbst informiert.
    Ich bin noch bis zum Ablaufen meiner Konzession am 15.08.2014 noch Omnibus im Fernreiseverkehr gefahren.
    Es waren zu keinem Zeitpunkt meine Fahrgäste gefährdet. Ich habe noch alles gesehen,im nachhinein hat sich aber Grüner Star ( Glaukom ) raus gestellt.Die Zeit vom 25.04.14 bis zum 15.08.2014 habe ich genutzt um runter zu fahren mit allen Dingen die mit dem Bus zu tun hatten.Meine letzte Fahrt war im Ende Juli 2014 nach Österreich zum Großglockner. Mir wäre es nie in den Sinn gekommen 44 Fahrgäste in den Tod zu reißen, bloß weil ich meinem Beruf verliere.Ich war 39 Jahre Omnibusfahrer und habe für Gäste alles gegeben und ich habe meine Beruf nicht nur geliebt sondern auch gelebt.Ich war mit Leidenschaft dabei.

    Das war nur in Kurzform mein Betrag.
    Und glauben Sie mir es wird sich nichts ändern.
    Meine Forderung ist ,bei solchen Berufen wie Lokführer, Busfahrer und Piloten bei den kleinsten Anzeichen eine vorübergehend Sperre der Ausübung des Berufes bis zur vollständigen Klärung.

    Mein aufrechtes Beileid an alle Hinterbliebenen.

    Dieter Klose
    aus Sachsen

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    1. Ich danke Ihnen für diesen Kommentar, der mich beeindruckt.
      Mit blindem Vertrauen steigen wir in öffentliche Verkehrsmittel und machen uns normalerweise keine Gedanken über die Gesundheit, die Psyche, den Zustand des Fahrers oder Piloten.
      So haben Sie selbst den Arbeitgeber über Ihre Krankheit informiert und damit sehr verantwortungsbewusst gehandelt, auch wenn Sie dadurch den geliebten Beruf aufgeben mussten. Als Fahr-/Fluggast erwartet man einfach, dass Verantwortliche derart reagieren.
      Leider ist das nicht selbstverständlich, wie die Katastrophe vom 24.03.2015 zeigt. Das ist tragisch für die Passagiere sowie Crew des Fluges 4U9525. Und trotzdem muss man Zutrauen haben, sonst könnte man sich gleich in seiner Wohnung einschließen und sämtliche Menschen meiden. Was wäre das für ein Dasein? Gauck ging in der Rede anlässlich des Traueraktes im Kölner Dom mit eindringlichen Worten, die mich immer noch beschäftigen, darauf ein. Nur müssen entsprechende Gesetze bzw. Regeln diesem Vertrauen entgegenkommen.
      Ebenso sagte der Bundespräsident: »… Umso mehr danke ich heute allen, die Tag für Tag an ihrer Stelle das in sie gesetzte Vertrauen rechtfertigen, die pflichtgetreu und gewissenhaft für all diejenigen arbeiten, die ihnen buchstäblich anvertraut sind …« Und damit meint er auch Sie.

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