23.07.2015, Donnerstag – Beerdigung in Le Vernet (1)

Die Vorbereitung der Reise nach Südfrankreich anlässlich der Trauerfeier hat dazu geführt, dass ich der Flugplanung, organisiert von Germanwings, misstraue. Und das hat seinen Grund: Wir erhielten vom Carecenter Germanwings unlogische Vorschläge, die den Rückflug von Marseille nach Frankfurt betrafen. Das erste Angebot war für uns in Ordnung. Am darauffolgenden Tag wurde es leider dahingehend abgeändert, dass wir mit einer anderen Maschine bis Frankfurt drei Stunden in der Luft verbringen müssten (normal sind es knappe 1½ Stunden). Dementsprechend kämen wir erst nachts auf dem Flugplatz Leipzig-Halle an. Ich protestierte und fragte nach den Ursachen der überlangen Flugzeit. Die Angestellte staunte ebenfalls und wollte sich erkundigen. Sie rief zurück und antwortete, der Computer zeige jene Zeiten an, es sei mit Sicherheit ein Fehler im System.
Ich gab auf.
Die dritte Planung beinhaltete, dass wir von Frankfurt per Auto bis Leipzig gefahren werden sollten. Allerdings würden wir auch in diesem Fall sehr spät in Leipzig eintreffen.
Am Folgetag erhielten wir die vierte Möglichkeit, über München zu fliegen mit einem Zwischenaufenthalt von drei Stunden. Ankunft in Leipzig sei gegen 19 Uhr. Entnervt nahmen wir das Angebot an.
Und jetzt sitze ich angespannt mit meinem Mann und Thomas um den Tisch herum und überlege, was mit den Flügen alles schief gehen könnte.
Zum vereinbarten Zeitpunkt klingelt der Taxifahrer, um uns zum Flugplatz zu bringen. Thomas reist mit. Die Enkelin und ihre Mama bleiben in Deutschland, da für die Kleine die dreistündige Busfahrt von Marseille nach Le Vernet sowie die Trauerzeremonie zu stressig würde.
Die übliche Prozedur beginnt. Wir checken ein und warten auf das Boarding. Endlich ist es soweit, die Maschine hebt ab. Kaum sind wir oben, kommen wir in Frankfurt an. Dort holen uns zwei Germanwings-Betreuer ab. Sie begleiten uns zum Gate nach Marseille. Sie sind herzlich und einfühlsam. Wir treffen auf viele bekannte Gesichter. Jeder Angehörige versteht den Schmerz des Gegenübers und die damit verbundenen Emotionen. Man braucht sich nicht zu erklären.
Im Flieger nach Frankreich ist es eisekalt. Ich hätte die Strickjacke im Handgepäck mitnehmen sollen. Gegen 19:00 Uhr landen wir in Marseille.
Bereits aus der geöffneten Flugzeugtür pustet uns ein heißer Wind entgegen, der aus einem auf uns gerichteten Föhn zu entströmen scheint. Hier herrschen ungewohnte Temperaturen.
Wir werden auf Kleinbusse verteilt und zum naheliegenden Hotel gebracht. Rasch sind die wenigen Sachen ausgepackt.
Der Swimmingpool lockt. Wir schwimmen durch das blau leuchtende Wasser, das kaum erfrischt. Im Hintergrund schrillen die Zikaden. Die Luft trocknet die Tropfen von der Haut, während der sengende Sonnenball hinter den Zedern untergeht.
Es fühlt sich falsch an: das Hotel, der klare Himmel, der Pool, die Kellnerin, die zwischen den Liegen herumwuselt, das gesamte mediterrane Flair.
Abends mischen wir uns im Hotelrestaurant unter die große Gruppe der Angehörigen. Die Unterhaltungen sind im regen Gang. Wir essen Abendbrot und diskutieren über die Beerdigungen in Deutschland, die dadurch verschlimmerte Trauer, über das Entschädigungsangebot der Lufthansa, den morgigen Tag – Themen gibt es im Überfluss.
Zu später Stunde suchen wir das Hotelzimmer auf. An Schlaf ist, wie so oft, nicht zu denken. Obwohl die Klimaanlage rauscht, arbeitet sie ungenügend. Wir öffnen die Fenster, leider ohne den abkühlenden Effekt. Die Nachtluft glüht.
Morgen würde eine schwerer Tag werden.
© Brigitte Voß

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