06.06.2015, Sonnabend – in Düsseldorf

Gegen Mittag kommt Thomas, der Bruder von Jens, in der Wohnung von Melanie an. Wir sichten die Sachen, die unser Sohn hinterlassen hat und teilen einiges davon auf. Hier steht sein Lieblingsbuch, da liegen die Urkunden sportlicher Aktivitäten, usw. Das schmerzt in der Seele.
Nachmittags treffen die Eltern der Freundin aus Xanten ein. Die Stimmung ist gedrückt. Sie haben ihn sehr geliebt. Obwohl Hans weit über die Siebzig ist, begeisterte ihn Jens für das Radfahren. Täglich dreht er seitdem seine Runden. »Fahre für Jens«, bekommt er jetzt oft zu hören. Sogar am Nibelungen-Triathlon in Xanten nahm er teil. Er trat in die Pedale, während Jens den Lauf- und Schwimmpart übernahm. Sie bildeten eine Staffel. Mein Mann und ich hatten Spaß als Zuschauer. Mit allerlei Geräusche verursachenden Gegenständen feuerten wir die beiden an. Hans hielt durch und kann zu Recht stolz auf die Leistung sein. Dieses Jahr wollten sie wieder starten. Ein Copilot, der unter Germanwings arbeitete, verhinderte es für immer.
Das Telefon klingelt. Es ist Germanwings. Die Sprecherin gleicht die Information ab, dass Melanie über Paris nach Marseille fliegen möchte, um den Sarg von dort nach Leipzig zu begleiten. Sie plant, in der Hauptstadt an der Informationsveranstaltung der französischen Staatsanwaltschaft teilzunehmen. Weiterhin tauchen erneut Fragen nach dem Beerdigungsinstitut und der Bestattungsart auf, die wir bereits mehrfach mündlich als auch schriftlich beantwortet haben. Am Montag soll sie wegen weiterer Auskünfte zurückrufen.
›Das wird jetzt klappen‹, glaube ich voller Vertrauen. (Jedoch: Oft kommt es schlimmer, als man denkt …)
Am nächsten Tag düsen wir über die Autobahn Richtung Heimat.

© Brigitte Voß

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4 Gedanken zu “06.06.2015, Sonnabend – in Düsseldorf”

  1. Sehr geehrte Frau Voss,
    der Verlust Ihres Sohnes ist eine Katastrophe, von der nicht selbst Betroffene sich kaum vorstellen können, wie sehr man darunter leiden kann. Bei allem Respekt kann ich jedoch nicht nachvollziehen, warum Sie den Eindruck vermitteln, dass eine Millionen-Zahlung, wie sie nach amerikanischer Rechtsprechung üblich wäre, gerecht und angemessen wäre.
    Die von der Fluggesellschaft angebotene Zahlung ist etwa 10x so hoch, wie alle Beerdigungskosten zusammen. Mit welchem Anspruch rechtfertigen Sie Ihre Überzeugung, Ihnen stünde ein Millionenbetrag zu ? Der Einzige, an den Sie eventuell Schadenersatz / Schmerzensgeldforderungen richten könnten, ist bereits begraben.
    Haben Sie jemals gehört, dass die Eltern eines Mordopfers von irgendwo Schadenersatz oder Schmerzensgeld bekommen hätten ?
    Wieviel Millionen würden Ihren persönlichen Kummer aufheben ? – Der Gedanke, dass Sie mit der Katastrophe privaten Profit erzielen wollen, befremdet mich sehr. Mein bis dahin empfundenes Mitgefühl wandelt sich in Abneigung und Unverständnis.
    Mit freundlichen Grüssen
    H.Ewert

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    1. Sehr geehrter Herr Ewert,
      ich wüsste nicht, wo Sie aus meinen Beiträgen entnommen haben wollen, dass ich Millionenbeträge als Entschädigung erwarte, um Profit zu erzielen. Das ist eine infame Unterstellung, die ich zurückweise.

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    2. Unglaublich, dass jemand, der überhaupt nicht betroffen ist, es wagt, hier und unter solchen Umständen so etwas dreistes und herzloses zu schreiben. Es ist ja wohl klar, dass weder Frau Voß noch andere Angehörige sich an diesem unermesslichem Unglück, dass wir nicht annähernd nachfühlen können, bereichern möchten sondern nur die entstandenen Schäden gemildert werden sollen. Nach solch einem Geschehen muss man als Betroffener erst einmal die Kraft aufbringen, überhaupt zu arbeiten und muss das Leben erst einmal komplett neu ordnen. Und eins ist ja wohl unbestritten, dass seitens der Fluglinie Versäumnisse stattgefunden haben. Also warum sollte Germanwings nicht dafür aufkommen. Aber was wissen Sie schon??! Und Sie regen über Mist auf?
      Christin

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  2. Unglaublich Herr Ewert, vielleicht sind Menschen ,denen sowas widerfährt nicht in der Lage zu arbeiten,die finanzielle Stabilität muss trotzdem gesichert sein.Ich finde kein Betrag dieser Welt kann das Geschehene gutmachen, doch viel erleichtern in dieser ausweglosen ,kräftezerrenden Situation.

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