05.06.2015, Freitag – 2. Angehörigentreffen der Notfallseelsorge in Düsseldorf (2)

Die Experten treffen ein: J. Reuß (Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU); Ministerialdirektor a. D. St. Rudolph (Beauftragter der Bundesregierung für die Anliegen der Hinterbliebenen der Opfer des Absturzes von Flug 4U 9525 am 24. März 2015); Dr. A. Schmidt (Geschäftsführung Germanwings), S. Hammer, M. Rein (Post Emergency Organization, Germanwings).
Zunächst rückt Herr Reuß in den Vordergrund. Er informiert, dass die deutsche Behörde an den Untersuchungen der Ursachen des Unglücks und an der Ermittlung des Ablaufs in Frankreich beteiligt ist. Die Franzosen planen, in etwa einem Jahr den Abschlussbericht zu veröffentlichen, der 80 bis 100 Seiten umfassen wird.
Inwieweit Angehörige Fotomaterial vom Absturzgebiet sichten dürfen, das nicht für die Öffentlichkeit gedacht ist, sei noch offen.
Das Interesse ist groß und all unsere Fragen werden schlüssig beantwortet.
Herr Rudolph, der Sonderbeauftragte der Bundesregierung, kommt an die Reihe. Er kondoliert, wie übrigens all die anderen Fachleute auch, den Familien in seinem Namen und im Namen der Regierung sowie der Bundeskanzlerin. Er sei von der Bundesregierung berufen worden, damit wir einen Ansprechpartner haben.
Das Wort wird den Vertretern von Germanwings übergeben. Wir sind erbost wegen der Verschiebung der Überführung auf unbestimmte Zeit.
Bei einigen Hinterbliebenen stehen die Beerdigungstermine fest. Trauergäste aus dem Ausland müssen ihre bereits gebuchten Flüge annullieren, usw. Mir ist das rätselhaft, da die dafür notwendigen Dokumente (Sterbeurkunde, usw.) noch in Frankreich lagern. Allerdings stammt die Mehrzahl der deutschen Angehörigen aus NRW. Sind wir in Sachsen die Außenseiter? (Wir haben zu dem Zeitpunkt keine Ahnung, dass sich der Verdacht in naher Zukunft erhärten wird.)
Wie wir mittlerweile erfahren haben, wird die Rückführung der sterblichen Überreste verzögert, weil die erforderlichen Papiere Übersetzungs- und Schreibfehler enthalten würden.
Das Hin und Her der letzten Tage hat uns allen geschadet. Die Gemüter sind aufgeheizt, entsprechend gereizt ist die Stimmung.
Nach einer längeren Kaffeepause verkünden die Vertreter von Germanwings, dass am 09.06., spät abends, 30 Särge aus Marseille auf dem Düsseldorfer Flugplatz ankommen werden. Am folgenden Tag sei dort eine gemeinsame Zeremonie der Angehörigen vor den Särgen geplant. Auch an anderen Orten könne – wenn dies gewünscht sei – eine solche Andacht stattfinden. Da das Bestattungsunternehmen in Frankreich Zeit zum Einsargen der menschlichen Überreste, die vorher in einen Zinkbehälter eingeschweißt werden, benötige, kämen die restlichen eingesargten Opfer sukzessive in Deutschland und den Heimatländern an.
Herr Rein sowie Frau Hammer versichern, dass innerhalb der nächsten sieben Tage die Überführung von Jens zum Flugplatz Leipzig-Halle erfolgen würde. Unabhängig davon äußert Melanie gegenüber Herrn Dr. Axel Schmidt, den Wunsch, den Sarg von Marseille nach Leipzig begleiten zu wollen. Auch er sagt ihr seine Hilfe zu.
Wir sind froh, dass wir unseren Sohn sehr bald, und das in Leipzig, empfangen können, um ihn zu beerdigen. Lange genug haben wir gewartet. Dieser Schwebezustand ist kaum zu ertragen.
Das Treffen wird beendet und hochzufrieden verlassen wir das Hotel. Wir fahren zu Melanie, wo wir noch zwei Tage bleiben. Den Abend lassen wir mit einem Spaziergang am Düsseldorfer Rheinufer und einem Abendbrot mit Altbier ausklingen.

© Brigitte Voß

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s