01.06.2015, Montag – der Ärger beginnt

Wir suchen in diversen Geschäften der Innenstadt nach geeigneter Trauerkleidung. Das Bewusstsein, für wessen Beerdigung diese Kleidung gedacht ist, treibt mir die Tränen ins Gesicht.
Zu Hause angekommen fängt das Unheil an, das uns für zwei Wochen an den Rand eines Zusammenbruchs führen sollte.
Melanie ruft aus Düsseldorf an. Sie hat zuvor Kontakt mit dem Carecenter Germanwings aufgenommen und erfahren, dass am 09./10.06. eine Gruppenüberführung der sterblichen Überreste nach Düsseldorf mit nachfolgendem Gedenken geplant sei. Anschließend solle das von uns beauftragte Bestattungsunternehmen die weitere Überführung von Jens per Fahrzeug in unsere Heimatstadt Leipzig übernehmen. Die andere Möglichkeit sei ein Direktflug von Marseille zu uns, allerdings erst viel später. Ein Zeitfenster wollen sie nicht angeben. Das lehnen wir nach all der langen und peinigenden Warterei ab.
Aber warum gibt es keinen Flieger von Düsseldorf nach Leipzig? Wir könnten an der Zeremonie in Düsseldorf teilnehmen, um daraufhin mit dem Sarg zurückzufliegen.
Wir rufen erneut Germanwings an. Sie ringen nach einer schlüssigen Antwort, die nicht kommt.
Das ist eine Zumutung! Wieso müssen wir von Sachsen nach NRW fahren (das sind hin- und zurück 1000 km), wenn wir Jens persönlich in Deutschland empfangen möchten? Nicht nur die Hin und Herfahrerei ist strapazierend, es wird an den Nerven zehren, dem Sarg gegenüberzustehen und dabei zu wissen, dass sich unser Kind darin befindet – und das in einzelnen Körperteilen. Doch das sind wir Jens schuldig. Wie viel wird von ihm übrig sein?
In einem weiteren Telefonat unterstellt uns das Carecenter, wir hätten zwei zur Rückführung notwendige Unterlagen nicht zurückgeschickt, was schlichtweg falsch ist. Sie müssen ihnen sogar in doppelter Ausführung vorliegen, da auch der Rechtsanwalt sie hingeschickt hat – vorsichtshalber. Nach einigem Suchen finden sie endlich die Formulare. Die Lufthansa sollte ihre Dokumente richtig verwalten, ehe sie die Angehörigen beschuldigt!
Die Nerven liegen blank. Gegen Mitternacht beschwere ich mich per E-Mail beim Anwalt.

© Brigitte Voß

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