16.04.2015, Donnerstag – Trauerfeier in Köln (1)

In wenigen Minuten betreten wir das Flugzeug, das uns nach Köln bringen soll. Die Gefühle holpern durcheinander, nehmen wir doch an der Trauerfeier für die Absturzopfer im Dom teil. Ich bin unendlich niedergeschlagen. Während wir die Flugtickets vorzeigen, kommt eine Mitarbeiterin auf uns zu. Sie drückt mir ein kleines, in weißen Servietten eingeschlagenes Päckchen in die Hand und sagt: »Mit schönen Grüßen von Frau Zeisel
Sofort taucht vor meinem inneren Auge die resolute Betreuerin auf. Etappenweise begleitete sie uns auf der Reise nach Le Vernet am 27.03.2015 und zurück. Ich erinnere mich gern an sie.
Die Crew begrüßt uns am Eingang des Fliegers. Sie drücken uns ihr Beileid aus.
Der Kloß im Hals wird immer dicker.
Wir nehmen Platz. Ich falte die Servietten auseinander, um zu sehen, was sie beherbergen. Es liegen Päckchen mit Gummibären darin, die den Ohren Landung und Start erleichtern sollen. Ich teile sie zwischen mir und meinem Mann auf. Wie nett von ihr! Stets gab sie uns welche, wenn sie im Flugzeug bei uns war. Ich freue mich über diese Geste und werfe mir einige Bärchen in den Mund.
Kaum ist die Maschine gestartet, landet sie wieder, so kurz erscheint mir der Flug.
Auf dem Kölner Flugplatz werden wir vom Bodenpersonal empfangen. Sie reichen uns Getränke. In gebührendem Abstand stehen Rettungskräfte mit einer Trage. Für uns? Was für ein Aufwand.
Eine Angestellte spricht uns an. Sie stellt sich vor. Sie hatte unseren Sohn und seine Familie betreut, als sie nach Le Vernet reisten. Er erzählte von ihr.
Sie möchte uns kennenlernen sowie Thomas nebst Frau mit Kind Grüße ausrichten. Die nette Geste beeindruckt mich. Nicht nur wir Angehörige leiden unter der Katastrophe, sondern auch das Personal von Lufthansa/Germanwings. Gemeinsam haben wir Unglaubliches erfahren und müssen damit fertig werden.
Ein Shuttle fährt uns ins Hotel. Dort melden wir uns am Special Assistance Service Desk (SAT), dessen Team die Aufgabe hat, sich um uns zu kümmern. Sie knüpfen uns graue Identifikationsbänder ums Armgelenk, die uns als Verwandte der Germanwings-Opfer kennzeichnen. Hierdurch haben wir morgen Zutritt in den Kölner Dom und zum Maternushaus.Snipper_Band
Die internationalen Gäste der Trauerfeier sind in verschiedenen Hotels untergebracht.
Im Vestibül entdecken wir Johannes und Birgit, die wir vom Seelsorgertreffen in Düsseldorf her kennen. Ihre Tochter kam bei dem Unglück ums Leben. Birgit wirkt desorientiert und erschöpft, sodass wir nur einige Worte wechseln, obwohl wir uns über das Wiedersehen freuen.
Zum Abendbrot betreten wir einen für die Angehörigen abgetrennten Raum. Vorher müssen wir die grauen Armbändchen vorzeigen.
Am Nachbartisch treffen wir erneut auf Birgit und Johannes. Ihr geht es sichtlich besser. Er stellt uns die Familie vor, die die beiden begleitet. Der Verlobte der im Flugzeug verstorbenen jungen Frau nickt uns zu. Seine Augen schauen uns betrübt, aber herzlich an.

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Nach dem Essen bleiben wir noch lange sitzen und versuchen, uns an dem nächtlich beleuchteten Rheinpanorama, das sich vor den großen Hotelfenstern ausbreitet, zu erfreuen. Der Verlust wiegt schwer. Morgen erwartet uns ein besonders trauriger Tag.

© Brigitte Voß

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